In diesem Jahr jährt sich das Kriegsende des Zweiten Weltkriegs zum 70ten Mal. Am 30. März 1945 oder kurz darauf endete für die Zeitgenossen hier in Nordhessen das 1.000jährige Reich des NS-Regimes nach zwölf unbeschreiblichen Jahren. Mit diesem Ende begann ein neues „Zeitalter“, allerdings unter ganz neuen und anderen Vorzeichen. Mittendrin unsere nordhessische Region als ehemalige Hochburg der Nationalsozialisten. Für viele Zeitgenossen ging eine Welt unter, eine andere begann für den anderen Teil der deutschen Gesellschaft. Der Übergang des Wandels war mitunter sehr unterschiedlich, einige Städte und Dörfer ergaben sich, andere entgingen nur unter glücklichen Umständen einem schlimmeren Schicksal, und um wiederum andere Städte und Dörfer wurde gekämpft. Genau diese Bandbreite findet sich auch im Raum Homberg-Wabern-Fritzlar-Malsfeld wieder, die hier dargestellt werden soll. Zentral sind dabei originale Textdokumente aus dieser Zeit, allen voran die unglaublich ausführlichen und informativen Tagebuchblätter von Heinrich Ruppel, Homberg betreffend, welche den größten Raum in diesem Buch einnehmen. Weiterhin werden neben der heutigen Kreisstadt die Ereignisse in Wabern, Niedermöllrich, Fritzlar, Gudensberg, Werkel und Besse detailliert dargestellt. Hierbei ragt der Bericht von Valentin Senger heraus, der als jüdisches „U-Boot“ in Fritzlar bzw. in Züschen bei Fritzlar das Kriegsende erlebt. Dazu kommen Ereignisse des Jahres 1944 und Ereignisse nach dem 30. März 1945, die eng im Kontext des Themas des Buches stehen und versuchen die Zäsur des 8. Mais zu umschiffen. Dieses Datum hatte für die Zeitgenossen kaum Relevanz, es sei denn, dass man nun wieder weitgehend ruhig schlafen konnte. Sozialgeschichtlich gehören die Jahre 1943 bis 1948 zu einer Einheit, die mit den ersten Zweifeln am Regime nach der Niederlage bei Stalingrad im Januar 1943 begann (dem psychologischen Wendepunkt des Krieges, militärisch war es erst die große Panzerschlacht in Sommer am Kursker Bogen) und erst mit der erfolgreichen Durchführung der Währungsreform im Juni 1948 ihr Ende fanden. Abgerundet werden die Betrachtungen um das Kriegsende durch biographische Aufsätze, die eng mit den Tagen und den Erlebnissen ums Kriegsende verbunden sind. Dazu werden wohl erstmalig auch Erinnerungen und Dokumente amerikanischer Soldaten in den Fokus gerückt, die im Frühjahr 1945 Nordhessen von den Nationalsozialisten befreiten.