Das Problem der sozialen Gerechtigkeit ist trotz allgegenwärtiger Wohlfahrtsgewinne und technischen Fortschritts heute so ungelöst wie vor einem halben Jahrhundert, als John Rawls seine Theorie der Gerechtigkeit verfasste. In der Rechtsethik und Sozialphilosophie ist die Diskussion von Umverteilungsfragen inzwischen zu Anerkennungsfragen erweitert worden. Selbst in Ländern, die – wie die Schweiz – weitgehend saturierte Grundbedürfnisse aufweisen, werden heftige Auseinandersetzungen geführt: über die Lohnzahlungen an Manager, über die Aufnahme von "Wirtschaftsflüchtlingen" oder über Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen. Die direkte Demokratie spitzt solche Gesellschaftsdiskussionen in Abstimmungskämpfen zu und stellt sie als Grundsatzfragen an die Sozialphilosophie. Die Beiträge dieses Bandes fragen in den drei neuralgischen Anwendungsgebieten Lohngerechtigkeit, Migrationsgerechtigkeit und Medizinalgerechtigkeit nach dem Stand von Praxis und Forschung. Dabei kommen Politiker und Philosophen zu Wort, da "Soziale Gerechtigkeit" gleichermassen in Politik und Philosophie als diskursiver Orientierungspunkt fungiert. Axel Tschentscher unterrichtet Rechtsphilosophie, Rechtstheorie und Rechtssoziologie an der Universitat Bern. Seine Forschungsinteressen gelten besonders der Diskurstheorie und deliberativen Demokratie. Caroline Lehner war bis 2013 Assistentin am Institut fur offentliches Recht der Universitat Bern und arbeitet heute als Juristin in der Direktion fur Volkerrecht des Eidgenossischen Departements fur auswartige Angelegenheiten. Matthias Mahlmann ist Ordinarius fur Philosophie und Theorie des Rechts, Rechtssoziologie und Internationales Offentliches Recht an der Universitat Zurich. Anne Kuhler ist Oberassistentin fur Grundlagen am Rechtswissenschaftlichen Institut der Universitat Zurich.